Baustellen, Langsamfahrstellen, Zugausfälle. Die Störungen im regionalen Schienenverkehr haben nach Ansicht der Grünen im Bayerischen Landtag ein nicht mehr länger hinnehmbares Ausmaß angenommen. Derzeit besonders schlimm betroffen: Die Strecken im Augsburger Netz, das sich von München über Augsburg nach Ulm beziehungsweise nach Donauwörth erstreckt. Von Donauwörth wiederum zählen Verbindungen nach Aalen, Treuchtlingen und Würzburg hinzu.
Mit einer Schriftlichen Anfrage setzen die Schwäbischen Grünen-Landtagsabgeordneten Max Deisenhofer, Stephanie Schuhknecht, Cemal Bozoglu und Eva Lettenbauer nun gemeinsam den Bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) unter Druck. Die Grünen wollen wissen, auf welche Baustellen und Langsamfahrstellen sich die Fahrgäste künftig einstellen müssen und wie die Staatsregierung dem Bahnchaos in Schwaben Einhalt gebieten will.
„Wir spüren derzeit extrem, dass die Bundesregierung über Jahre hinweg die Schiene kaputtgespart hat. Jetzt bekommen wir die Quittung: Es reiht sich Baustelle an Baustelle, die DB InfraGo verhängt immer neue Geschwindigkeitsbegrenzungen, um das Netz zu schonen, Fahrpläne geraten komplett durcheinander. Die ersten Fahrgäste wenden sich von der Bahn ab und steigen wieder ins Auto. Diesen Zustand wollen wir nicht mehr länger akzeptieren“, sagt der Landtagsabgeordnete Max Deisenhofer.
Seien im Zuge des Wechsels von DB Regio hin zu Arverio (vormals Go-Ahead) anfangs auch Versäumnisse wie fehlendes Personal und defekte Züge bei den Verkehrsunternehmen zu suchen gewesen, verantworte die aktuellen Probleme vor allem die Deutsche Bahn. „Die Baumaßnahmen sind erforderlich und werden leider zunehmen. Was man aber verbessern kann und muss, ist die Koordinierung und die Abstimmung mit Betreibern und Fahrgästen. Auf dem Abschnitt zwischen Burgau und Westheim zum Beispiel wurde Ende September die Sperrung quasi über Nacht um eine ganze Woche verlängert. Das ist nicht nur unprofessionell, sondern respektlos gegenüber allen, die mit der Bahn in die Schule oder Arbeit kommen müssen“, kritisiert Deisenhofer.
Er sieht langfristig die einzige Chance für mehr Verlässlichkeit und schnellere Züge in der Region in der Umsetzung der Neubaustrecke Ulm-Augsburg. Aufgrund von technischen Abhängigkeiten will die Deutsche Bahn die für 2034 angesetzte Korridorsanierung mit den Ausbauabschnitten des Bahnprojekts zusammenlegen. „Wir fordern den Verkehrsminister auf, seinen Einfluss in Berlin geltend zu machen, damit das Sondervermögen des Bundes in die Schiene in Bayern fließt und nicht für CSU-Wahlgeschenke zweckentfremdet wird. Der Bundestag muss dringend im kommenden Haushalt bereits Geld für Ulm-Augsburg einstellen, um weitere Verzögerungen zu vermeiden“, so Deisenhofer.