Bildung

Schluss mit Methoden von gestern für das Leben von morgen

Es ist noch gar nicht lange her, da war ich selbst Bestandteil des Bayerischen Bildungsapparats. Bis zu meinem Einzug in den Bayerischen Landtag im Herbst 2018 habe ich als Berufsschullehrer am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Günzburg – Krumbach unterrichtet. Der Abschied aus der Schule fiel mir alles Andere als leicht, denn der tägliche Austausch mit den Schülerinnen und Schülern hat mir viel Freude bereitet. In den Schulen bereiten wir unseren Nachwuchs auf Beruf, Studium und das Leben überhaupt vor. Hier werden manchmal die einfachsten oder verrücktesten Fragen gestellt und es entscheidet sich maßgeblich, wohin die Reise nach dem Schulabschluss geht. Es ist Aufgabe der Gesellschaft, dass wir Antworten finden auf die drängendsten Fragen der zukünftigen Generationen. Und dass wir mit der Zeit gehen, anstelle die Schülerinnen und Schüler mit den Methoden von gestern auf das Leben von morgen vorzubereiten.

“Jugend will etwas tun gegen den Klimawandel – und erfährt nicht, wie es geht”

In meiner Rolle als Abgeordneter sitze ich für die Grünen im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags, vertrete nach außen hin speziell die Themen digitale und berufliche Bildung und hinterfrage oft genug, ob wir Politikerinnen und Politiker unserem Auftrag gerecht werden. In Bayern sind wir stolz auf unser Bildungssystem, doch nicht immer ist dieser Stolz gerechtfertigt. Ich habe die Möglichkeiten und Grenzen dieses Systems am eigenen Leib erfahren. Die Jugend will etwas tun gegen den Klimawandel – und erfährt in der Schule viel zu selten, wie das geht. Gehen die Schülerinnen und Schüler auf die Straße um die ihre Meinung zu äußern, streiten andere darüber, welche Ordnungsmaßnahmen zu ergreifen sind. Wir wollen der Jugend erklären, wie unser Land funktioniert – und schaffen im Lehrplan viel zu wenig Platz dafür. Privat und beruflich bewegen wir uns längst in einer digitalen Parellelwelt. Wir schreiben nur noch selten auf Papier, vernetzen uns per WhatsApp innerhalb von Sekunden mit Familie, Freunden und Bekannten und wenn wir mal nicht weiterwissen, studieren wir Blogs oder schauen YouTube-Tutorials. Niemand hat uns das wirklich beigebracht und dennoch müssen wir diese Techniken beherrschen, wenn wir nicht auffallen oder untergehen möchten.

“Digitalisierung nutzen und nicht eines ihrer Opfer werden”

In der Schule spielen diese Anforderungen noch immer eine untergeordnete Rolle. Selten gibt es frei verfügbares und sicheres WLAN, Smartphones müssen in der Tasche bleiben. Längst haben viele verlernt, im Netz richtige von falschen Botschaften zu unterscheiden und erst recht, wie man gründlich und gewissenhaft recherchiert. Ich bin der Meinung, dass genau hier die Politik eingreifen muss: Wir brauchen einen klaren Plan, wie wir an den Schulen die Digitalisierung gestalten und vorantreiben möchten. Damit wir sie für uns nutzen und nicht eines ihrer Opfer werden. Wir brauchen dazu verbindliche Inhalte im Lehrplan und am besten auch ein eigenes Fach Digitalkunde. Schulen brauchen eine professionelle IT-Betreuung, damit sie sich statt aufs Kabelziehen auf ihr Kerngeschäft, den Unterricht konzentrieren können. Lernen mit und über digitale Medien muss selbstverständlicher Bestandteil der Schulbildung werden. Wenn uns dieses Umdenken und schließlich auch die Umstellung gelingt, eröffnen sich auch in der Fort- und Weiterbildung ungeahnte Möglichkeiten.

Als Berufsschullehrer liegt mir natürlich die berufliche Bildung besonders am Herzen. Das duale System hat sich bewährt und muss wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein. Nicht zuletzt brauchen wir an den Berufsschulen endlich eine hundertprozentige Versorgung mit Lehrkräften.

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